Lichtbildidealisten

Klaus Hellmich

Cad West - oder die Kunst der Geduld

21. Mai 2016, Lichtbildidealisten - On Tour

Cad West - oder die Kunst der Geduld

cad west, mach loop
cad west, mach loop
BAE Hawk
c-130 hercules
BAE Hawk
BAE Hawk

Das mich  das Medium Youtube tatsächlich mal zu einem Kurztrip inspieren sollte, hätte ich vor Kurzem nicht für möglich gehalten.  Doch nach  dem Konsum des folgenden Videos war klar:

Cad West.. ich komme.

Mal was anderes, tieffliegende Jets abzulichten. Cad West ist einer von mehreren  Spots für Fotografen bzw plane spotter , des so genannten Machynlleth Loop, einer low flying area  für die englische und amerkanische Luftwaffe. Die Flugpläne konnte man freundlicherweise im Internet ausfindig machen, sodaß den  spektakulären Aunahmen, außer dem  eigenem handwerklichen Versagen nichts mehr im Wege stand. 

So dachte ich zumindest.

Da am Ankunftstag  gutes Wetter in Wales vorhergesagt war, entschied ich mich direkt  nach der Landung  in Manchester, Cad West  anzusteuern. Dank  vorheriger Internetrecherche wußte ich  um einen kleinen Parkplatz, von dem ein  schmaler Pfad sanft ansteigend, parallel zur B4405 Richtung Cad West  führte.

Nach geschätzen 500 Metern machte der Pfad einen Linksknick und wurde  wesentlich steiler. Überall auf dem  Weg weiter nach oben saßen bereits Fotografen oder Spotter. Gut, dass ich  bereits um 11:30 hmit dem Auftstieg begonnen hatte, um 12:00 h sollte laut Flugplan das Schauspiel beginnen, und der alte Körper respondierte mit  Luftknappheit ob der vielleicht 300 Höhenmetern, des Fotorucksackgewichts,  der eigenen körperlichen desolaten Voraussetzungen und des peinlichen Trainingszustandes. Um 11:45 h  hatte ich eine adäquate Position gefunden und wurde direkt freundlich von  den  anwesenden Fotografen begrüßt. Trotz der Sprachbarriere   konnte man sich  über  wichtige Einstellungen wie Verschlußzeit  und Autofokusmodus bzw. Meßfelder austauschen. Konnte ja nicht schaden , wollte ich  möglichst wenig Ausschuß  produzieren. Ernüchternd fand ich jedoch die Aussage, hatte ich sie  aufgrund meiner rudimentären Englischkenntnisse richtig verstanden, dass die Flugpläne Schall und Rauch sein.

Man bräuche Geduld.

An manchen Tagen  gäbe es um die 30 Vorbeiflüge. An  manchen  nur 3.  Ach bestimmt hatte ich das nur falsch verstanden. Es wurde

13:00 h   ...  13:15 h  ... 13:30 h .

Nichts.

Um 13:40 h erfaßte dann plötzlich Unruhe das "Basislager" und  jedermann sprang auf  und glotzte, die Technik im Anschlag, nach Westen.

Tja Alle, bis auf Einen, der vermutlich die  weiteste Anfahrt heute hatte.

Und  in einem Anfall  der perfekten Mischung aus Coolness, falscher Lagebeurteilung und sagen wir es wie es ist: Doofheit, meinte er doch,  sich die  Langeweile beim Warten  durch Fertigen  von  Landschaftsaufnahmen mit einem Superweitwinkel zu vertreiben. Das das niemand anders um ihn herum wagte, machte ihn  nicht im mindesten stutzig. 

Was soll ich sagen: Bis ich  das Tele aufgeschraubt hatte und die erforderlichen Einstellungen an der Cam  verändert  hatte, war der Spuk schon wieder vorbei.

2 kleinere Jets des Typs BAE Hawk schossen  hintereinander unterhalb  meines Standpunktes durchs Tal.

Wow. Zumindest  der Sound und der Anblick. Die Fotos nicht so.

Danach ging das Warten  weiter. Und ich  erkannte was mein epochaler Fehler war:

Nach  Anschauen des oben verlinkten Videos dachte ich es geht schlag auf Schlag. Aber schlau  ist der, der Bildschnitte im Video erkennt und bewertet. Ein  Mitwartender wurde  nicht müde mir zu berichten das heute  morgen gegen 10 Uhr  zwei  F-15 vorbei gekommen wären.

Das machte mich neidisch, schließlich das Flugzeug, dass ich zu Kindestagen ab liebsten als Modellbausatz zusammengeklebt hatte. Jetzt  bermerkte ich langsam, in welchem Hamsterrad man sich befand. Einserseits war es müßig zu warten ohne Gewähr, dass  noch was vorbei kommt. Minute um Minute, Stunde um Stunde. Und mal eben runter gehen und später wieder kommen  war aufgrund der eben geschilderten Umstände (Berg, Körper, Trainingszustand) auch nicht so einfach. Anderseits  bestand auch  das Risiko,  schmiss man die Flinte  zu früh ins Korn, dass  man  das Foto des Tages, ach woher, des gesamten Urlaubs vielleicht verpasste.  Jetzt war mir auch  klar warum sich  viele der anderen Spotter mit Zelt, Isomatten und  Verpflegung  fast wohnlich eingerichtet hatten.

Nach  weiteren 2 Stunden des Wartens ohne Flybys entschied ich mich,  aus Rücksicht auf meinen Azubi, der am verschlossenen Fahrzeug wartete, Lehrjahre sind ja bekanntlich keine Herrenjahre, den  Abstieg anzutreten. Morgen war ja auch noch ein Tag. Während der 10 Minuten hatte ich die Technik, zum Schuß bereit, natürlich permannet in der Hand und schielte die ganze Zeit nach  Westen. Nichts passierte jedoch. 

Am Fahrzeug angekommen öffnete ich  dasselbe, um die Kamera zu verstauen, als mein  Azubi völlig leidenschaftschaftslos mit  einem seiner Finger ungelenk gen Himmel deutete und emotionslos das Wort " Daaaa " intonierte. 

Ich schaffte es noch irgendwie einen C-130 Hercules Transporter von Hinten  abzulichten und belehrte ihn  anschließend wiederholt, wie ein  lageangepasster Warnruf zwingend hätte aussehen bzw. sich anhören müssen. Heute Abend TV Verbot und früh ins Bett.

Da das Wetter am nächsten Tag  tatsächlich besser war, als die Vorhersage es versprach, waren wir  bereits gegen 10 h am Spot, und wir bestiegen diesmal zusammen den Berg. Erneut die üblichen Verdächtigen des Vortags und gegen 12:00 h  plötzlich die bekannte Unruhe. Ein einzelner BAE Hawk schoss von Westen kommend durch das Tal, allerdings höher als am Vortag. Man spottete, es handele sich  vermutlich um einen Piotenazubi, der noch nicht tiefer fliegen konnte. Ich fühlte mich bestätigt, verschiedene Länder, gleiche Probleme.

Aber zumindest passten die Bilder. Aber immer noch  keine F-15. Verdammt.

Es sollte noch eine weitere Stunde dauern, bis erneut etwas kam. Leider wieder keine F-15, sondern  ein ordentlicher walisischer Landregen. Leicht durchnässt erreichten wir  nach einem glitschigen Abstieg unseren Leihwagen. Mein Azubi  fluchte äußerst  ausdrucksstark und musste  mir sofort  eidesstattlich versprechen, ähnliche Emotionen bei einem zukünftigen, unerwarteten Flyby  unmittelbar von sich zu geben.

Resume: Man muß manchmal auch weggehen, um wiederkommen zu können. Oder so ähnlich. Nicht in diesem,  aber sicherlich auf einem  nächsten Trip.

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